k.u.k. Hofberichterstatterin Iris von Streit – Kolumne no.4

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on April 14th, 2009 by irisvonstreit

Die Wiener Saison (14.03. 2009)

Wien wartet auf’s warme Wetter, denn dann machen die Schanigärten endlich wieder auf. Der Schanigarten ist eine Art extendiertes Lokal, also ein Café oder ein Beisl, dass sich auf den Gehsteig oder den Hinterhof erstreckt. Des Wieners (und der Wienerin natürlich auch) liebster Ort, um sich etwas Prozentiges zu genehmigen und in die Sonne zu blinzeln. Den ganzen lieben Sommer lang. Natürlich fallen unterwegs ein paar Stadtfeste und Festivals an, die als Anlass genommen werden, einen Achtel Roten (Wein) mehr zu trinken als üblich. Aber selbstverständlich geht man vor dem eigentlichen Fest in einen Schanigarten – a bissl vorglühn – mit einem Achtel Weissen zum Beispiel.

Die Schanigarten-Saison geht nahtlos über in den Frühherbst, der den Wienern den Sturm bringt. Diesen teilvergorenen Traubenmost konsumiert man im Heurigen, also einem Beisl mit Schanigarten… Die echten Heurigen freilich befinden sich etwas ausserhalb, denn es sind den Weingütern angeschlossene Lokale, die – wie der Name sagt – heurigen Wein ausschenken. Wenn es dunkler wird im Jahr verlangt es den Wiener nach etwas Wärmendem – schliesslich versucht man die Outdoor-Saison so lange wie möglich hinauszuzögern. In Gruppen rotten sich die Wiener (und die kälteschlotternden Touristen) ab November auf den Weihnachtsmärkten zusammen und trinken ihren Punsch.

Nach den gemütlichen Weihnachtsfestivitäten ist der Wiener nicht mehr so geneigt, seinen auf Bequemlichkeit eingestellten Leib dem beissenden Wiener Wind preiszugeben, aber der Weihnachtsspeck muss runter! So eröffnet man die glamouröse Ballsaison, die ihren gloriosen (und vor allem medialen) Höhepunkt im Wiener Opernball findet. Diesmal feierte ich mit – mit süssem Sekt vor dem Fernseher. Und falls es in Wien mal elends fad sein sollte, geht man auf ein Bier zum Würstelstand – der hat das ganze Jahr Saison.

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kaffee und kuchen Hofberichterstatterin – Kolumne no.3

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on April 14th, 2009 by irisvonstreit

Wiener Original (05.12.2008)

Unlängst, es dräute draussen einer dieser dunkelgrauen Wiener Sonntage, verlegten mein Freund A. und ich unsere Leserei in das Café Hawelka. Dort ist es zwar etwas schummrig, aber keinesfalls grau. Der disdinguierte Ober eilt geschäftig von Tisch zu Tisch und serviert ungerührt heisse Schokoladen und Würstel mit Senf. Der neue Kellner bemüht sich: Er fragt die Gäste nach ihren Wünschen, bekommt aber meist nur zu hören: „Wir kriegen schon, danke!“ Behaglich ist es hier, und voller Wärmesuchender, so setzen wir uns zu einem älteren Herrn mit roter Halsbinde. Er liest zufrieden Zeitung. Wir packen unsere intellektuellen Bücher aus, worauf uns der Herr anspricht. Schon bald diskutieren wir angeregt, bestellen noch eine Mélange, rauchen und lauschen der Erzählung des Herrn von seiner Zeit in der berühmt-berüchtigten Otto-Mühl-Kommune. Ein Experiment, das vor allem durch den autoritären Führungsstil von Mühl zum Scheitern verurteilt war, aus dem Ruder lief und mit Mühls Verurteilung wegen Kindsmissbrauchs ein vorläufiges Ende fand. Der Herr trug seine hellgrauen Haare lang, was ihm in Kombination mit der roten Halsbinde das Flair eines sozialistischen Bohémiens verlieh. Diese ungespielte Lässigkeit musste er sich hart erkämpfen: Er kommt aus ländlichem, erzkatholischem Elternhaus; die Verklemmtheit stürzte ihn, „einen erotischen Menschen“, in ein schweres Dilemma, das er nur mit Psychotherapie hat bewältigen können. Nach der dritten Mélange erklärt er uns seine Philosophie. Er zeigt uns ein schmales Bändchen, das er dazu geschrieben hat. Darin ein gezeichnetes Bild, das quasi die gesamte Weltgeschichte veranschaulicht. Er werde einfach nicht verstanden und nicht anerkannt von der Fachwelt. Dabei sei er doch der derzeit beste Philosoph der Welt, meint er ernsthaft lächelnd. Sprachlos lächeln wir ebenfalls. Bald verabschieden wir uns höflich. Beim Hinausgehen erblicken wir an der verrauchten Wand des Hawelka zwischen alten Theaterplakaten und anderem Krimskrams das Originalbild des unverstandenen Philosophen. Draussen schlägt uns der kalte Wind entgegen.

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k.u.k. Hofberichterstatterin Iris von Streit – Kolumne no.2

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on April 14th, 2009 by irisvonstreit

Neues Theater in Österreich: Das Märtyrerdrama. (03.11.2008)

Es gibt zwei Dinge, die unbedingt zur Wiener Kultur gehören: Das Theater und der Kaffee. Bestellen Sie in einem Wiener Kaffeehaus keinesfalls einfach nur „Einen Kaffee!“, denn Sie werden dafür sicher mit einem ungnädigen Blick bedacht: „Was wünscht die Dame bitte? Einen Kleinen Braunen (Espresso mit einem Tropfen Milch)? Einen Grossen Schwarzen (Doppelter Espresso)? Einen Verkehrten (Milchkaffee)? Einen Einspänner (Grosser Schwarzer mit viel Schlagobers)?…“ Wenn Sie sich dann entschieden haben, können Sie sich der Wahl des abendlichen Vergnügens widmen und in einer der seriöseren österreichischen Zeitungen den Veranstaltungskalender durchackern. Wobei Sie dieser Tage nicht umhin kommen, auf das hiesige Trauerspiel zu stossen. Das Spektakel um den kürzlich verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider ist Theater, wie es sein sollte: Es unterhält vorzüglich und regt gleichzeitig zum Nachdenken an. Nichtsdestotrotz ist die heiligenmässige Verehrung, die Jörg Haider von einem Teil der österreichischen Bevölkerung und manchen Medien entgegengebracht wird, völlig unpassend. Das eine ist, dass Haider sich nach einem rauschenden Abend berauscht hinters Steuer setzte und mit stark überhöhter Geschwindigkeit in eine bewohnte Gegend fuhr. Das andere ist, dass auf seine nationalistischen Äusserungen plötzlich vergessen wird und seine fremdenfeindliche und ausgrenzende Haltung von den Haider-Wallfahrern entweder ausgeblendet oder jetzt nur im Stillen gehuldigt wird. Der Höhepunkt der allemeinen Haider-Hysterie ist ein Kalender von einem Boulevard-Blatt für 2009: „Im Gedenken. Jörg Haider. Die besten Bilder.“ Pietätvoll wurde für den Todesmonat ein Schwarz-Weiss-Bild gewählt: Haider oben ohne, sich rasierend, stilvoll beleuchtet. In trauter Runde bei einem Achtel Roten im Beisl wurde uns diese brandheisse Devotionalie von einer Kollegin ironisch serviert. Mir entfiel deswegen sogar, was ich hatte bestellen wollen. Maliziös lächelte eine Anwesende über den Tisch und zog fragend eine Augenbraue hoch: „ Vielleicht einen Kleinen Braunen?“

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k.u.k. Hofberichterstatterin Iris von Streit – Kolumne no.1

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on April 14th, 2009 by irisvonstreit

Alle Kolumnen erschienen erstmals in gezetera online, der unabhängigen Netzzeitung der Universität Basel.

Wahlen in Wien – Luxus pur (27.09.2008)

Die Österreicher und notabene auch die Österreicherinnen (seit 1918!) dürfen am 28. September ihr Parlament wählen. Um die Gunst der WählerInnen zu gewinnen, wird eifrig propagiert, packend palavert und Absurdes versprochen. Das Thema des Tages wurde vom Mann der Stunde (zumindest für die SPÖ) lanciert: So lautet eines von Werner Faymanns Wahlversprechen: „Mehrwertsteuer auf Lebensmittel halbieren.“ Die Ankündigung dieser ungewöhnlichen Massnahme wurde sehr unterschiedlich gewertet, von populär bis populistisch gingen die Adjektive, aber zuallererst neideten die anderen Kandidaten dem SPÖ-Spitzenkandidaten seinen Einfall. Man begrüsste zwar allgemein eine Senkung der Lebensmittelpreise, fand aber doch schon bald das Haar in der Suppe und präsentierte dies empört der Öffentlichkeit: Die Luxuslebensmittel! Kaviar, zum Beispiel! So wurde Kaviar vom Wahlversprechen ausgenommen. Schnecken! Garnelen! Schnecken und Garnelen wurden vom Wahlversprechen ausgenommen. Und so ging es weiter bis man schliesslich bei „Wachteleier!“ angelangt war. Nun muss Herr Faymann sich mitten im Wahlkampf mit solchem Kleinkram auseinandersetzen. Damit erzielt man keinen Mehrwert, nein, man hat sich einfach nur ein schönes Ei gelegt.

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Die leiwandsten Kaffeehäuser no. 5

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on March 6th, 2009 by irisvonstreit

Das Café Rüdigerhof

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In einem urschönen Jugenstilhaus (erbaut von Oskar Marmorek) ist dieses intellektuelle Café mit seiner etwas eklektizistischen Einrichtung untergebracht. Der schattige Schanigarten verleitet dazu, an heissen Sommertagen zu verweilen und einen Gspritzten zum Mittagsmenü zu geniessen. Aber passen S’ auf, dass S’ nicht angstrudelt zum hackeln zurück gehen müssen.

Glossar (eine äusserst subjektive Auswahl)

leiwand – grossartig, toll

Gespritzter – mit Mineralwasser „gespritzter“ Wein, meist weisser.

angstrudelt – beschwipst

hackeln – arbeiten

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Die leiwandsten Kaffeehäuser no. 4

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on March 6th, 2009 by irisvonstreit

Das Café Prückel

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Ideal, um sich mit seine Hawara zu treffen und gepflegt zu raunzn über die schnöde Politik, die fade zeitgenössische Literatur und die öden Weiba. Die originale 50er-Jahre-Einrichtung (diese Luster!) lässt existenzialistisches Lebensgefühl aufkommen und verleitet zu übermässigem Zigarettenkonsum, was sich schliesslich in der Luftqualität bemerkbar macht. Falls man den argen Rauchschwaden entfliehen möchte, kann man sich in den meist etwas leeren, unlustigen Nichtrauchersalon begeben. Vom laptop-bewehrten Student bis zur exaltierten Dame sind verschiedenste Gattungen im Prückel; man liest Zeitung, trinkt einen Verkehrten, und sieht sich aus dem Augenwinkel das Kaffehaustreiben an.

Glossar (eine äusserst subjektive Auswahl)

leiwand – grossartig, toll

die Hawara – die Busenfreunde

raunzn – sich beklagen über etwas, jammern

Luster – Kronleuchter

ein Verkehrter – ein Café Latte

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Die leiwandsten Kaffeehäuser von Wien no.3

Posted in Kultur u. Kaffeehaus (k.u.k.) on February 16th, 2009 by irisvonstreit

Das Café Jelinek

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In dieses schnuckelige Café inmitten meines Grätzels, des 6. Bezirks, verirrt sich selten ein Gscherter. Mit seinen vergilbten Tapeten und den verblassten, mit grünem Samt überzogenen Bänken hat das Jelinek das Flair eines heruntergekommenen Bohémiens. Eine zusätzlich nostalgische Note setzt der gusseiserne Jugendstil-Ofen, der im Winter mit Holz befeuert wird und dem verarmten Studenten die Finger in seinen löchrigen Handschuhen wärmt. Authentischer gehts nimmer.

Glossar no. 3

GscherteR – Nicht-WienerIn

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Jazz it up!

Posted in Keine Schublade on January 23rd, 2009 by irisvonstreit
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Winter with Jane Austen

Posted in Keine Schublade on January 11th, 2009 by irisvonstreit

“What are men compared to rocks and mountains!” (Pride and Prejudice)

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Suburban Chick with her Bag

Posted in Stil on January 11th, 2009 by irisvonstreit

Adventure, here I come!

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